Verkaufen und investieren in Krisenzeiten

Die Immobilienpreise in Deutschland sind stark der wirtschaftlichen Situation unserer Weltwirtschaftslage unterworfen, denn in Krisenzeiten reagieren wir Deutschen gerne damit in Betongold zu investieren. Wie sind aber unsere zukünftige Prognose aus, wenn es darum geht langfristig zu investieren oder im Gegenzug eine Krisensichere Kapitalanlage zu schaffen?

Natürlich kann niemand in die berühmte Glaskugel sehen, denn den Anlagestrategen ist jedoch schon lange klar, dass in solchen Zeiten verstärkt auf traditionelle Märkte gesetzt wird wie Staatsanleihen, Metalle und natürlich auch Immobilien.

Selbst wenn in naher Zukunft der Krieg und somit die Unsicherheit in Europa beendet sein sollte, so werden sich aller Voraussicht nach die Zinsmärkte nur sehr langsam erholen und somit wird sich auch der Immobilienmarkt nicht entspannen, es sei denn wir werden mehr Wohnraum schaffen, was allerdings auch sehr langsam von statten geht, da uns Bauplätze und Umnutzungsmöglichkeiten fehlen.

Es lohnt sich daher nicht bei familiären Veränderungen auf eine Entspannung des Wohnungsmarkes zu warten, da sich die Wohnraumknappheit in naher Zukunft nicht ändern wird und sich bei den Angebotspreisen aufgrund der hohen Nachfrage auch keine Entspannung andeutet. Ebenso loht es sich auch für Erbengemeinschaften oder Eigentümern nicht an Ihren Immobilien festzuhalten, die Sie gerne verkaufen möchten, weil sich deren Wohnsituation verändert, wenn zum Beispiel Kinder aus dem Haus gehen oder aufgrund einer Trennung das Eigenheim zur Debatte steht.
Die Spitzenpreise, die derzeit am Markt erzielt werden, werden erzielt, weil wir eine ständige Wohnungsknappheit haben, die durch unsere Politik hausgemacht ist. Familien, die mehr Wohnraum benötigen, brauchen diesen auch, egal ob in Europa Krieg herrscht oder nicht oder nicht.

Die Börse ist auch in vieler Hinsicht ein Spiegel des Immobilienmarktes, der sich seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine allerdings auch schon wieder erholt hat. Denn, so schlimm es für die Menschen in der Ukraine ist, Krieg zu haben, umso mehr sind wir Deutschen gottseidank von einem wirtschaftlichen Fiasko entfernt und sollten unsere Märkte nicht mit einem Worst Case Szenario überdecken, dass es bei uns nicht gibt.

In diesem Sinne möchte ich alle Immobilienverkäufern dazu ermutigen, die momentan für Sie gute Zeit des Verkaufens zu nutzen um einen guten Verkaufspreis zu erzielen und die Käufer zu ermutigen ihre Pläne mit einer neuen Immobilie umzusetzen, da sich die Immobiliensituation in nächster Zeit nicht ändern wird.

Bietigheimer Zeitung vom 30.04.2022

Warum sind Eigenheime auf dem Land gefragt?

Corona hat die Wohnbedürfnisse verändert. Statt in der Großstadt zu leben, wünscht sich laut einer Forsa-Umfrage mehr als jeder Vierte im Ländlichen wohnen zu wollen. Auch Kleinstädte erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die Gründe dafür sind vielfältig. Hauptmotiv für die Landlust ist der Wunsch nach mehr Platz. Zudem hat die Bedeutung von Wohneigentum stark zugenommen. Rund 20 Prozent der Mieter denken ernsthaft über den Immobilienkauf nach. Auf dem Wohnimmobilien-markt im Landkreis Ludwigsburg ist der Trend längst spürbar. Nach dem Grundstücksmarktbericht 2021 für die Region stiegen die Preise für Baugrundstücke in den letzten fünf Jahren im Schnitt um 23 Prozent. Für ein freistehendes Einfamilienhaus, Baujahr 1985, wurden abhängig vom jeweiligen Standort durchschnittlich zwischen 820.000 und 950.000 Euro gezahlt. Der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen lag in guten Lagen bei fast 4.000 Euro. Interessant ist die Feststellung der BW Bank in einer im Juni 2021 veröffentlichten Marktinformation, dass sich die Verkaufszeiten wieder verkürzen, auch und gerade  für Häuser ohne gute Nahverkehrsanbindung. Demnach sind Eigenheime in der Peripherie begehrt. Ein Grund dafür dürfte die zunehmend digitaler werdende Arbeitswelt sein, die das Arbeiten im Home Office ermöglicht, weshalb das tägliche Pendeln ins Büro entfällt. Gerade jungen Familien, die in Städten oft in beengten Wohnverhältnissen leben, bietet der Umzug ins Umland ein deutliches Plus an Lebensqualität. Endlich kann jedes Kind ein eigenes Zimmer haben. Nie wieder Chaos im Wohnzimmer, weil es gleichzeitig als Schlafzimmer dienen muss. Überdies lässt sich bequem ein Heimarbeitsplatz für sie und ihn einrichten, ohne in Konflikt mit anderen Nutzungen zu kommen. Obendrein lädt ein Garten zum Spielen und Grillen ein. Angesichts dieser Vorzüge nimmt man den längeren Weg zur Arbeit gerne in Kauf, zumal er nicht jeden Tag zurückgelegt werden muss. Für ältere Hausbesitzer, denen die Bewirtschaftung des im Ländlichen gelegenen Eigenheims zusehends über den Kopf wächst, ist diese Entwicklung eine günstige Gelegenheit, ihre Immobilie möglichst lukrativ zu verkaufen. Natürlich kommt es, wie bei jeder Immobilie, auf die genaue Lage und die Ausstattung an. Mithilfe eines Immobilienprofis, der den lokalen Markt bestens kennt, sollte sich das etwaig vorhandene Potenzial schnell erkennen und auf Wunsch vermarkten lassen.

Bietigheimer Zeitung vom 16.04.2022

Wann sind Umbauten genehmigungspflichtig?

Frühlingszeit ist Umbauzeit. Oft soll dann ein lange ersehnter Wunsch endlich in die Tat umgesetzt werden, etwa ein neues Badezimmer oder ein Wintergarten. Doch Vorsicht! Einfach loszulegen, ist nicht ratsam. Denn je nach Maßnahme ist eine Baugenehmigung erforderlich. Wer innerhalb der eigenen vier Wände umbaut, kann sich nach Herzenslust austoben, solange dabei keine tragenden Wände eingerissen werden, an den Außenwänden nichts verändert wird und das Haus nicht unter Innendenkmalschutz steht. Jede Errichtung, Nutzungsänderung und Abrissmaßnahme ist hingegen genehmigungspflichtig. Entsteht zum Beispiel durch einen Dachgeschossausbau neuer Wohnraum, stellt dies eine veränderte Nutzung dar und bedarf der Genehmigung. Auch der Wintergartenanbau muss vom Bauamt abgesegnet sein. Die Montage einer PV-Anlage auf dem Dach ist wiederum  verfahrensfrei, ebenso wie der Bau einer maximal 30 Quadratmeter großen Garage. Um zu wissen, wie der geplante Umbau zu Handhaben ist, sollten Hausbesitzer mit dem Bauamt sprechen. Stellt sich heraus, dass ein Bauantrag nötig ist, muss meist ein Architekt hinzugezogen werden, der fachmännische Planungsunterlagen erstellt. Bei kleineren Maßnahmen kann eventuell ein Handwerksmeister die Antragsdokumente verfassen. Während des Genehmigungsverfahrens prüft die Baubehörde, ob der Umbau nach Nutzungsart, Lage und Größe des Bauwerks, der überbauten Fläche und weiteren Kriterien dem Bebauungsplan entspricht. Wichtig ist die Einhaltung von Abstandsflächen, die in § 5 und § 6 der Landesbauordnung (LBO) geregelt sind. Nicht selten kommt es wegen einer zu nahe an das Nachbargrundstück gesetzten Sichtschutzhecke oder Mauer zu Streitigkeiten, die vor Gericht landen. Um einen Widerspruch inklusive Klage gegen die Baugenehmigung bereits im Vorfeld auszuräumen, empfiehlt es sich, den Nachbarn frühzeitig über die Pläne zu informieren und ihn zu bitten, dem Umbau schriftlich zuzustimmen. Dann ist man nicht nur rechtlich auf der sicheren Seite, sondern erhält zugleich die gute Nachbarschaft. Werden alle Vorgaben des Bebauungsplans und der LBO eingehalten, dürfte einem positiven Bescheid nichts im Weg stehen. Kein Bauherr sollte die  Mühe scheuen, sich im Vorfeld zu erkundigen. Denn wer ungenehmigt baut und damit einen Schwarzbau errichtet, dem drohen saftige Bußgelder, die je nach Raumveränderung bis zu 50.000 Euro betragen können. Es lohnt also, sich den Wunsch mit behördlichem Segen zu erfüllen

Energetisch sanieren und Förderungen nutzen

Die neue Bundesregierung will die energetischen Anforderungen an Wohngebäude in den nächsten Jahren deutlich anheben. Beispielsweise sollen ab 2024 bei wesentlichen Aus- und Umbauten sowie Erweiterungen von Bestandsbauten die auszutauschenden Teile dem Standard „Effizienzhaus 70“ entsprechen. Außerdem ist ab 2025 geplant, dass jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Als Maßstab dienen die Effizienzhaus-Stufen für bestehende Immobilien der KfW, die von 40 bis 100 reichen. Je niedriger die Stufe, desto weniger Energie verbraucht ein Haus. Die Liste der geförderten Energiesparmaßnahmen ist lang. Sie reicht von Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle bis zum Einbau moderner Heizungstechnik. Grundsätzlich gilt: Je besser die Energiebilanz des Hauses nach der Sanierung ist, um so üppiger die Förderung. Besonders großzügig wird die Umrüstung auf eine innovative Heiztechnik unterstützt. Hausbesitzer, die ihr Eigenheim mit einer Erneuerbare Energien-Hybridheizung oder Wärmepumpe energetisch zukunftsfähig machen möchten, erhalten im Zuge der „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG) einen Zuschuss von mindestens 35 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten von maximal 60.000 Euro. Ersetzt die neue Technik eine alte Ölheizung, wird sogar ein Zuschuss von 45 Prozent gewährt. Überdies wird sowohl der Einbau einer Solarthermie-Anlage als auch der Einbau einer neuen Gasbrennwert-Heizung mit Solarthermie mit jeweils 30 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst. Weitere 5 Prozent gibt es, wenn die Installation Bestandteil eines individuellen Sanierungsfahrplans ist, den ein zertifizierter Energieberater erstellt hat und der fachgerechte Einbau von einem von der Deutschen Energie-Agentur anerkannten Energieeffizienz-Experten bestätigt wird. Wer mehrere  Maßnahmen geschickt miteinander kombiniert, kann die Hälfte der Sanierungskosten sparen. Auch wenn durch die Pläne der neuen Koalition die Notwendigkeit zur energetischen Gebäudesanierung absehbar steigt, ist es ratsam, sich ausreichend Zeit für eine fundierte Fachberatung zu nehmen und Aufwand und Ertrag jeder Maßnahme genau zu prüfen, um das bestmögliche Ergebnis zu den höchstmöglichen Förderkonditionen zu bekommen. Schließlich möchte man nicht nur Energiespar-Primus, sondern auch Sparfuchs sein.

Bietigheimer Zeitung vom 26.02.2022

Umgestaltungen im Wohneigentum konfliktfrei durchführen

In Eigentümergemeinschaften führen Umgestaltungen immer wieder zu Streit. Mal fehlt die nötige Zustimmung, mal ist die Kostenverteilung unklar. Mitunter geht es auch um Grundsätzliches. Die WEG-Reform, die seit dem 1. Dezember 2020 in Kraft ist, hat bauliche Veränderungen erleichtert, die über die ordnungsgemäße Erhaltung des Gemeinschaftseigentums hinausgehen. Sanierungen und Modernisierungen können seither mit einfacher Stimmenmehrheit beschlossen werden (§ 20 Abs. 1 WEG). Eine Blockade durch Einzelne, wie es sie früher durchaus häufig gab, ist nicht mehr möglich. Die Kosten müssen jedoch diejenigen Eigentümer tragen, die der Maßnahme zugestimmt haben. Eine Ausnahme ist, wenn der Beschluss mit mehr als zwei Drittel der Stimmen und mehr als der Hälfte der Eigentumsanteile gefasst wurde. Dann müssen alle Eigentümer gemäß ihrer Anteile zahlen, bis auf jene, die begründet nachweisen können, dass sie finanziell überfordert werden (§ 21 Abs. 2 WEG). Rechnet sich die Investition innerhalb eines angemessenen Zeitraums, kommt keiner um die Kostenbeteiligung herum. Allerdings ist nicht festgelegt, was „angemessen“ genau bedeutet. Zudem hat jeder Eigentümer einen Anspruch auf die Gestattung sogenannter privilegierter baulicher Maßnahmen für Barrierefreiheit, Elektromobilität, Einbruchschutz und Telekommunikation (§ 20 Abs. 2 WEG). Aber Vorsicht! Ohne Beschluss der Eigentümerversammlung mit der Umgestaltung loszulegen, ist nicht ratsam. Denn wie die Umsetzung erfolgt, ist individuell zu klären. Kompliziert sind weiterhin Ausbauten, beispielsweise der Dachgeschossausbau zu Wohnzwecken. Da das Dach ein notwendiges Bauteil für die Konstruktion und die Sicherheit eines Gebäudes darstellt, gehört es zwingend zum Gemeinschaftseigentum. Ein Teileigentümer, der einen Ausbau vornehmen möchte, benötigt sowohl eine Baugenehmigung als auch eine Abgeschlossenheitsbescheinigung. Darüber hinaus muss für die spätere Wohneinheit ein eigener, abschließbarer Zugang vorhanden sein. Um Umgestaltungen möglichst konfliktfrei durchzuführen und dabei rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, empfiehlt sich das frühzeitige Gespräch mit dem Verwalter. Eventuell begünstigen fundierte Informationen über Kosten und Nutzen eine einvernehmlich positive Entscheidung oder motivieren sogar weitere Eigentümer ihrerseits baulich nachzurüsten, etwa altersgerecht umzubauen. Zwist ist dann immer noch denkbar. Aber das Risiko dafür ist geringer.

Bietigheimer Zeitung vom 05.02.2022

Werden Mikroapartments zum Dauermagneten?

Der Wohnraum in den Ballungsräumen wird immer knapper und teurer. Daher sehen sich Mieter immer mehr nach kleineren Apartments um. In Großstädten und Studentenstädten ist das verstärkt spürbar, denn die Vermieter scheuen immer mehr die Verantwortung an Wohngemeinschaften zu vermieten, da sich in der Gemeinschaft oftmals niemand für Reinigungsarbeiten und Lärm in der Wohnung verantwortlich fühlt. Zunehmend nutzen solche Mikroapartments auch Pendler und mit steigender Zahl der Studierenden von derzeit ca. 3 Millionen, wächst auch hier das Problem der Unterbringung. Ebenso werden die Kleinwohnungen für Rentner immer interessanter, die sich mit einer kleineren Rente neben der Miete auch noch den Lebensstiel erhalten möchten.

Unter Mikro-Apartments versteht man eine kleine 1-Zimmerwohnungen von ca. 20 bis 40 m² Wohnfläche, die mehr oder weniger funktional und praktisch ausgestattet sind. Wenn man noch Serviceleistungen hinzuordern kann wie Wäscheservice, Postservice oder Reinigungsservice, spricht man von einem „Serviced Apartment“. Vor allem Wochenendpendler oder Führungskräfte, die stark eingespannt sind, wissen einen solchen Service zu schätzen und nutzen diesen überaus gerne. Optimalerweise gibt es noch einen Treffpunkt bzw. Meetingpoint um sich am Abend auszutauschen. Joungsters, die die gehobene Wohnklasse bevorzugen, möchten auch auf einen Flatscreen und auf ein Multi-Media-Affines Wohnambiente nicht verzichten.

Die erzielbare Miete bei einer circa 30 m² großen Wohnung orientiert sich an der Lage, der Fläche sowie der Ausstattung und Baujahr. Aktuell liegen diese Wohnungen in Ludwigsburg und Bietigheim bei ca. 650 € Kaltmiete. Bei möblierten Wohnungen muss man sich nicht an den Mietspiegel halten und ein Mietpreis ist frei verhandelbar. Hier sind in unserer Region für eine möblierte Wohnung aber 900 € Miete keine Seltenheit. Die Serviceleistungen müssen noch extra hinzugebucht und auch extra bezahlt werden.

Solche vermieteten Kleinwohnungen eignen sich daher als gute Kapitalanlagen und Einsteigerobjekte. Der Kaufpreis ist im Vergleich zu einer familiengeeigneten Wohnung wesentlich günstiger und kann die Grundlage für ein sogenanntes Buying-up Modell sein. Hier entsteht ein stufenweiser Wertzuwachs durch Wiederverkauf und größeren Ankauf und kann die Grundlage für ein Eigenheim, wie zum Beispiel später ein Einfamilienhaus sein.

Bietigheimer Zeitung vom 08.01.2022

Eigenbedarf anmelden: Das sollten Vermieter wissen

Immer wieder führen Eigenbedarfskündigungen zu Rechtsstreitigkeiten, die nicht selten langwierig und teuer sind. Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, sollten Vermieter daher einige Dinge beachten. Zunächst ist wichtig zu wissen, dass ein Vermieter ein Mietverhältnis nur dann wegen Eigenbedarf beenden kann, wenn er selbst, ein Familienmitglied oder ein naher Angehöriger seines Haushalts die Wohnung nutzen möchte (§ 573 BGB Abs. 2 Nr. 2). Nach derzeitiger Rechtslage gehören dazu Kinder, Enkel, Eltern, Großeltern, Geschwister sowie Nichten und Neffen. Nicht zum Personenkreis zählen geschiedene Ehegatten, frühere Lebenspartner und deren Kinder. Aus dem Kündigungsschreiben muss schlüssig hervorgehen, warum Eigenbedarf angemeldet wird. Neben der Person und dem Verwandtschaftsverhältnis, sind die genauen Gründe für den Wohnungsbedarf aufzuführen. Wer hierzu falsche Angaben macht oder den Eigenbedarf nur vortäuscht, verhält sich rechtswidrig und muss sich schlimmstensfalls wegen Betrugs vor Gericht verantworten. Da es sich um eine ordentliche Kündigung handelt, gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen (§ 573c BGB). Eine Sonderregelung gilt bei der Umwandlung eines Mietshauses in Eigentumswohnungen. War die Wohnung bereits vorher vermietet und wird danach verkauft, ohne dass der Mieter von seinem gesetzlichen Vorkaufsrecht Gebrauch macht, müssen Eigentümer in 44 Gemeinden in Baden-Württemberg (z. B. Bietigheim-Bissingen und Ludwigsburg) laut Kündigungssperrfristverordnung fünf Jahren abwarten, bevor sie Eigenbedarf anmelden können. Schwierig wird es, wenn sich der Mieter gegen die Kündigung wehrt und auf einen angeblich vorliegenden Härtefall beruft, etwa aufgrund von hohem Alter, Pflegebedürftigkeit oder einer schweren Krankheit. Kommt es zum Streitfall vor Gericht, ist die individuelle Situation ausschlaggebend, zu deren Beurteilung gegebenenfalls Sachverständige und Zeugen hinzugezogen werden. Prinzipiell stellt ein fortgeschrittenes Alter oder eine gesundheitliche Beeinträchtigung kein Hindernis für eine Eigenbedarfskündigung dar. Unterstützende Maßnahmen, wie die Übernahme von Umzugskosten oder das Anbieten einer neuen Wohnung, können helfen, den Aufwand für den Mieter zu minimieren. Das schützt Vermieter zwar nicht vor einer etwaigen gerichtlichen Auseinandersetzung, zeigt aber, wie wichtig eine gut vorbereitete Eigenbedarfskündigung ist, damit sie vor Gericht Bestand hat.

Bietigheimer Zeitung vom 13.11.2021

Darum sollte der Mietkauf gut überlegt sein

Viel ist aktuell über den Mietkauf zu lesen, um kostengünstig an ein Eigenheim zu kommen. Doch dabei ist größte Vorsicht geboten. Denn die Tücke steckt im Detail. Auf den ersten Blick klingt das Modell verlockend: Mit einer Einmalzahlung von x Prozent des Kaufpreises und den monatlichen Mietzahlungen leisten Mietkäufer eine Anzahlung auf „ihr“ Haus. Für eine bestimmte Mietdauer von beispielsweise 15 Jahren ziehen sie ein und verpflichten sich die Immobilie nach Ablauf der Mietzeit zu kaufen. Je nach Vertragsmodell werden die entrichteten Mietzahlungen allerdings sehr unterschiedlich auf die Finanzierung angerechnet, so dass unter dem Strich womöglich ein hoher Restbetrag offen bleibt und sich das vermeintlich günstig erstandene Traumhaus im Nachhinein als teures Fiasko herausstellt. Denn beim Mietkauf schließen Verkäufer und Käufer zwei Verträge ab: Einen Kauf- und einen Mietvertrag. Wer bei Vertragsabschluss nicht genau aufpasst, zahlt drauf. Anders beim Hauskauf über ein klassisches Hypothekendarlehen: Hier wird die Summe von Anfang an mit einer hohen Tilgungsrate zurückgezahlt, um schnell von den Schulden herunterzukommen. Entscheidend ist, wie hoch der Anteil der Mietzahlungen ist, der zur Finanzierung angesetzt wird und ob die Miete angemessen ist. Nicht selten ist sie viel zu hoch angesetzt. Darüber hinaus gibt es weitere Risiken, die im Vorfeld bekannt sein sollten. So sind Objekte, die zum Mietkauf angeboten werden, oftmals in einem renovierungsbedürftigen Zustand und/oder haben andere Nachteile. Auch sollten Mietkäufer bedenken, dass sie keine Förderungen von der KfW-Bank für eventuell anfallende Maßnahmen erhalten. Zudem können Instandhaltungen während der Mietphase durchzuführen sein, für die sie ebenfalls aufkommen müssen, obwohl sie rechtlich noch nicht der Eigentümer sind. Überdies ist vorab unbedingt zu klären, was mit dem bereits gezahlten Geld geschieht, falls man seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann und was im Insolvenz- oder Todesfall des Vermieters passiert. In Anbetracht der vielen Unwägbarkeiten, die sich kaum abschätzen lassen, empfiehlt es sich, lieber Abstand vom Mietkauf zu nehmen. Der Traum von Eigenheim muss trotzdem nicht ausgeträumt sein. Mit einem versierten Immobilienprofi an der Seite, der den Immobilienmarkt aufgrund langjähriger Erfahrung bestens kennt, dürfte sich eine bessere Lösung finden.

Bietigheimer Zeitung vom 23.10.2021

Wissenswertes über die Immobilie als Kapitalanlage

Da es für Geldeinlagen kaum Zinsen gibt und Aktien wegen ihrer Schwankungen als zu unsicher erscheinen, denkt mancher Sparer darüber nach, in ein Haus oder eine Wohnung als Kapitalanlage zu investieren. Schließlich verspricht der Wohnungsmarkt hohe Renditen bei gleichzeitig großer Sicherheit. Doch bevor in eine Immobilie investiert wird, sollten die Vor- und Nachteile sorgsam abgewogen werden. Ob eine Immobilieninvestition zur Kapitalanlage sinnvoll ist, hängt von der persönlichen Situation und der Anlageart ab. Nicht jedes Objekt, das auf den ersten Blick geeignet erscheint, ist es bei genauer Betrachtung auch. In Frage kommt beispielsweise ein Haus mit einer oder mehreren Mietparteien oder eine vermietete Eigentumswohnung. Auch eine Ferienwohnung kann interessant sein, zumal sie den zusätzlichen Pluspunkt der Eigennutzung bietet. Wichtigster Faktor bei der Suche nach einem passenden Anlageobjekt ist – wie bei jeder Immobilie – die Lage. Je besser ein Objekt angebunden ist und je vielfältiger die umliegenden Möglichkeiten, desto mehr potenzielle Mieter lassen sich finden. Der Kaufpreis spiegelt die Lage wider. Vorsicht ist geboten, wenn Objekte für ihre Örtlichkeit zu günstig angeboten werden. Häufig gibt es dann mindestens ein Manko, das Folgekosten verursacht, die nicht sofort erkennbar sind. Von Bedeutung ist zudem die Objektart. Bei Neubauten fallen zunächst keine Sanierungskosten an. Bei Altbauten mit überholter Haustechnik kann es sehr schnell sehr teuer werden. Muss etwa die Heizung kurzzeitig nach dem Kauf saniert werden, könnte es mit der Freude über das gut angelegte Geld bald vorbei sein. Nicht selten werden Zusatzkosten für Reparaturen, Instandhaltungen und Modernisierungsmaßnahmen unterschätzt oder gar vergessen, die in die Gesamtrechnung aber mit einkalkuliert werden müssen, damit sich die Kapitalanlage auf Dauer rentiert. Oft wird auch der Zeitaufwand für die Verwaltung des Objektes übersehen. Gerade Laien, die über keine Erfahrung mit Immobilien verfügen, sollten sich professionelle Hilfe an die Seite holen. Ein erfahrener Makler informiert ausführlich über die Chancen und Risiken, kennt die Fallstricke, über die Neulinge gerne stolpern und berät auf Wunsch individuell. Danach sollte eine versierte Entscheidung leicht zu treffen sein, in welche Immobilie das Geld am profitabelsten investiert ist und man es nicht bereut.

Bietigheimer Zeitung 09.10.2021

Sinnvoll Renovieren vor dem Hausverkauf

Wer sein Haus verkaufen will, lässt es vorher oft noch Renovieren, um einen möglichst hohen Verkaufspreis zu erzielen. Doch nicht jede Maßnahme zahlt sich aus. Bevor Verkäufer investieren, sollten sie deshalb prüfen, welcher Aufwand wirklich nötig ist, um den Immobilienwert zu steigern. Optische Verschönerungen, wie frische Tapeten und ein neuer Bodenbelag, sind vergleichsweise kostengünstig und erzielen große Wirkung. Aufwendiger ist die Beseitigung von Mängel und Schäden, wenn ein undichtes Dach ausgebessert oder Schimmel entfernt werden muss. Um diese Instandhaltung kommt der Verkäufer in der Regel kaum umhin. Denn erfolgt keine Reparatur,   haben potenzielle Käufer ein treffliches Argument für Preisverhandlungen. Es sei denn, das Objekt ist so begehrt, dass es trotz derartiger Nachteile gut verkäuflich ist. Bewusst nicht auf einen Mangel hinzuweisen ist keine Option! Weiß der Verkäufer von Mängeln, verschweigt diese aber bewusst oder vertuscht diese sogar, kann er später vom Käufer wegen arglistiger Täuschung belangt und zu Schadensersatz verurteilt werden. Ratsam ist, offen auf etwaige Mängel hinzuweisen und sich die Kenntnisnahme bestätigen zu lassen, um auf der sicheren Seite zu sein. Den Gebäudestandard durch teure Modernisierungsmaßnahmen vor dem Verkauf zu heben, etwa durch einen Heizungsaustausch oder eine Wärmedämmung, ist meist nur sinnvoll, wenn sich die Verkaufschancen dadurch deutlich erhöhen. Zudem sind steuerliche Aspekte zu beachten: Verkaufswillige Hausbesitzer können mit einer Renovierung nur dann Steuern sparen, wenn diese längere Zeit zurückliegt, es sich also um eine Maßnahme zur Selbstnutzung handelt. Ob das investierte Geld im Verhältnis zur möglichen  Preissteigerung steht, hängt letztlich davon ab, welche Eigenschaften ein Käufer erwartet und wie viel er bereit ist, dafür zu bezahlen. In gefragten Lagen ist die Kompromissbereitschaft hinsichtlich Ausstattung und Zustand häufig größer als an weniger gesuchten Orten. Peripher gelegene Objekte benötigen hingegen manchmal das gewisse Etwas, damit sie attraktiv sind. Um die Situation richtig einschätzen zu können, sollten Hausbesitzer mit Verkaufsabsichten einen Immobilienexperten mit profunden Marktkenntnissen zu Rate ziehen, der das Objekt professionell bewertet und die Chancen für einen lukrativen Verkauf analysiert. Denn nichts wäre ärgerlicher als unnötig zu renovieren oder gar auf einer teuer sanierten Immobilie sitzen zu bleiben.

Bietigheimer Zeitung vom 21.09.2021