PV-Anlage im Mehrfamilienhaus: Was Eigentümer wissen und beachten müssen

PV-Anlagen sind längst nicht mehr nur auf Einfamilienhäusern zu finden. Auch Eigentümer von Mehrfamilienhäusern prüfen, ob sich vorhandene Dachflächen für die Solarstromerzeugung nutzen lassen. Neben der Reduzierung von Energiekosten spielen dabei die Nutzung ungenutzter Flächen und eine mögliche Wertsteigerung der Immobilie eine Rolle. Vor der Umsetzung sind allerdings zahlreiche technische, wirtschaftliche und organisatorische Fragen zu klären. Eine wichtige Rolle spielt das Dach, denn nicht jede Fläche ist geeignet. Zu berücksichtigen sind unter anderem die Statik, der Zustand der Dachkonstruktion, die Ausrichtung, mögliche Verschattungen und ein bestehender Sanierungsbedarf. Auch die elektrische Infrastruktur sollte geprüft werden, weil bei älteren Gebäuden häufig Anpassungen am Hausanschluss oder an der Elektroverteilung notwendig sind. Steht ohnehin eine Dachsanierung an, kann es sinnvoll sein, beide Maßnahmen miteinander zu verbinden. Ebenfalls ist zu klären, wie der erzeugte Strom genutzt werden soll. Möglich sind die Einspeisung ins öffentliche Netz, die Nutzung im Gebäude, die Speicherung oder die Weitergabe an Mieter. Die im Zuge der geplanten EEG-Reform diskutierten Änderungen bei der Einspeisevergütung für neu in Betrieb genommene PV-Anlagen bis 25 kWp dürften viele Eigentümer von Mehrfamilienhäusern nicht unmittelbar betreffen, da dort häufig größere Anlagen installiert werden. Unabhängig davon können Speicherlösungen interessant sein, weil sie überschüssigen Solarstrom für einen späteren Verbrauch verfügbar machen, den Eigenverbrauch erhöhen und so die Wirtschaftlichkeit der Anlage verbessern. Für die Weitergabe von Solarstrom an Mieter kommen verschiedene Modelle infrage, darunter das Mieterstrommodell, die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung oder andere Stromliefermodelle. Spezialisierte Dienstleister können bei der Umsetzung unterstützen und Abrechnung, Betrieb oder organisatorische Aufgaben übernehmen. Neben der Errichtung sollten auch laufende Themen wie Wartung, Versicherung und Reparaturen berücksichtigt werden. Eine frühzeitige Klärung von Zuständigkeiten und Kosten hilft, spätere Unstimmigkeiten zu vermeiden. Eine PV-Anlage kann für ein Mehrfamilienhaus eine sinnvolle Investition sein. Entscheidend ist eine sorgfältige Planung, damit die erzeugte Energie langfristig für Eigentümer, Bewohner und Immobilie einen Mehrwert schafft.

Bietigheimer Zeitung vom 29.08.2026