Wie zuverlässig ist die Immobilienbewertung durch KI?

Die Digitalisierung macht auch vor der Immobilienbewertung nicht halt. Künftig könnte der Wert von Immobilien mittels Künstlicher Intelligenz (KI) ermittelt werden. Das soll das Verfahren schneller und präziser machen. Was nach einer guten Sache klingt, hat im Detail allerdings (noch) Tücken. Die Immobilienbewertung ist nicht irgendein Stück Papier. Sie ist entscheidend dafür, wie hoch die Erbschaft (und damit Erbschaftssteuer) oder Schenkung beispielsweise eines Eigenheims ausfällt und ob eine Eigentumswohnung verkauft oder gekauft wird. Von ihrer Richtigkeit hängt demnach viel ab. Ein professionelles, durch einen unabhängigen Sachverständigen erstelltes Wertgutachten für eine Immobilie basiert primär auf vier Faktoren: Lage (Mikro- und Makrolage), Zustand (Alter, Ausstattung, Modernisierungen), Größe (Grundstücks- und Wohnfläche) und Bodenwert, ergänzt durch Vergleichsdaten, rechtliche Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Faktoren, wobei spezielle Methoden wie das Vergleichswert-, Sachwert- oder Ertragswertverfahren zur Anwendung kommen, um einen objektiven Wert zu ermitteln. Jahrelange Erfahrung ermöglicht eine genaue Einschätzung, auch bei komplexen Fällen. Eine KI-gestützte Immobilienbewertung nutzt diverse Datenquellen, Marktanalysen und meistens Angebotspreise aus Immobilienportalen, nicht jedoch tatsächlich erzielte Verkaufspreise aus dem zuständigen Gutachterausschuss, der für Transparenz auf dem jeweiligen Grundstücksmarkt sorgt. Oft fließen auch rechtliche Aspekte wie Baulasten, Denkmalschutz und Grundbucheinträge nicht in die Berechnung mit ein. Ebenfalls meist  unberücksichtigt bleiben individuelle Merkmale wie hochwertige Materialien, Sanierungen oder versteckte Mängel. Die KI liefert die Preisprognose zwar auf Knopfdruck. Diese gibt aber allenfalls eine Orientierung, bietet jedoch keine Verlässlichkeit. Auf die kommt es bei Banken, Finanzämtern und Gerichten indes an. Deshalb kann eine Immobilienbewertung mit Hilfe von KI ein erster Schritt für eine Einschätzung sein. Sie ersetzt keine traditionelle Immobilienbewertung, aktuell jedenfalls nicht. In Zukunft mag KI-Analyse präziser werden. Bis dahin schützt ein klassisches Wertgutachten weiterhin vor teuren Fehleinschätzungen. Denn bekanntlich geht Genauigkeit vor Schnelligkeit.

Bietigheimer Zeitung vom 04.04.2026